Maronen, Steinpilze und Co: Schmackhafte Wald-Pilze im Herbst
(Bild: Daniela Kloth, Wikimedia Commons)
Was sind Pilze?
Pilze sind weder Tier noch Pflanze. Sie bilden gemäß wissenschaftlicher Systematik eine eigene Kategorie. Was wir als Pilze bezeichnen, ist oft nur der Fruchtkörper. Das eigentliche Lebewesen, das Pilzgeflecht oder Myzel, lebt im Verborgenen in der Erde oder im Holz. Pilze sind aus Protein gebaut, machen keine Photosynthese und ernähren sich von organischem Material.
Wie viele Pilzarten gibt es?
Es gibt drei bis fünf Millionen Pilzarten. Dabei sind die allermeisten Pilze bis heute nicht wissenschaftlich beschrieben. Das Bundesamt für Naturschutz geht von rund 14.000 Arten allein in Deutschland aus, von denen nur etwas mehr als 5.000 mit bloßem Auge zu erkennen sind – vorausgesetzt, sie haben ihre Fruchtkörper aus dem Boden oder Holz geschoben.
Welche Funktion haben Pilze im Ökosystem?
Pilze nehmen im Ökosystem viele wichtige Funktionen wahr. Sie zersetzen Totholz, Laub und Nadeln und machen es damit zugänglich für andere Lebewesen. Den meisten Insekten fehlen die für den Holzzerkleinerung nötige Enzyme. Pilze sind wesentlich am Stoffkreislauf beteiligt. Sie sind auch Symbiosepartner von zirka 90 Prozent aller Landpflanzen. Bäume und Pilze tauschen über das Myzel Mineralstoffe, Wasser und Kohlenhydrate aus.
Sind Pilze gefährdet?
Etwa ein Drittel unserer heimischen Pilzarten sind entweder extrem selten oder gefährdet. Fünf Prozent sind sogar vom Aussterben bedroht oder sind bereits ausgestorben.
Warum sind Pilze gefährdet?
Es sind weniger die Pilzsammler*innen, die die Arten gefährden, als vielmehr die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Überdüngte Böden und die Belastung des Bodens mit Stickstoff und Phosphat sind das Hauptproblem für Pilze. Auch das Ersetzen von Mischwäldern durch Monokulturen, die Zerstörung von naturnahem Lebensraum und Biotopen, die Umwandlung von Magerwiesen zu Intensivgrünland, oder das Trockenlegen von Feuchtwiesen und Mooren sind ein Problem für die Pilze.
Darf man Pilze sammeln?
Da Pilze unter Naturschutz stehen, dürfen sie nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Eine konkrete Menge ist dabei nicht definiert, als Richtwert gilt ein bis zwei Kilogramm pro Person. In Naturschutzgebieten dürfen keine Pilze gesammelt werden. Achten Sie beim Sammeln auch auf die Umgebung: nicht alles zertrampeln, zwei bis drei Fruchtkörper zurücklassen, Erntestellen mit Laub bedecken.
Wie erntet man Pilze richtig?
Wer den Pilz nicht kennt, sollte unbedingt den gesamten Fruchtkörper inklusive Wurzel ernten, da das ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist. Das gelingt am besten, wenn man den Pilz vorsichtig aus der Erde heraushebt. Wenn man den Pilz eindeutig bestimmen kann, kann man ihn mit einem Messer abschneiden, dann landet weniger Sand im Erntekorb. Pilze lassen sich am besten im Korb transportieren, da sie hier liegen können, ohne gequetscht zu werden. In einer Plastiktüte vergammeln sie schnell.
Wann wachsen Pilze?
Pilze gibt es praktisch das ganze Jahr hindurch. Doch ihre Fruchtkörper bilden sich meist erst, wenn der Boden gut durchfeuchtet ist. Pilze bestehen zu 90 Prozent aus Wasser. Neben Regen mögen Pilze auch Wärme. Pilze wachsen also dann am besten, wenn es einige Tage geregnet hat und die Temperaturen zwischen zehn und zwanzig Grad liegen.
Wo wachsen Pilze?
Viele beliebte Pilze wachsen an nährstoffarmen und im Jahresdurchschnitt trockenen meist sandigen Böden an. Beliebte Speisepilze wie Steinpilz und Maronenröhrling finden Sie vor allem in bodensauren, oft bemoosten Nadelwäldern. Parasol oder Pfifferling finden Sie zusätzlich auch unter Laubbäumen. Auch in naturnahen Wälder mit alten Bäumen und reichlich Totholz kann man gut Pilze sammeln. Hier wächst zum Beispiel der Austernseitling, die Krause Glucke, der Hallimasch und das Stockschwämmchen. Da diese Pilzarten ihren Wasserbedarf dem Holz entziehen, sind sie weniger von Regen abhängig.
Wie kann man Pilze bestimmen?
Es braucht einiges an Erfahrung, um Pilze im Wald richtig zu identifizieren. Eine App kann hilfereich sein, reicht zur sicheren Pilzbestimmung aber nicht aus.
Wenn Sie ganz unerfahren sind, gehen Sie am besten mit einer Expert*in zusammen los oder lassen sich anschließend in einer Pilzsprechstunde beraten. Der BUND bietet an vielen Orten geführte Pilzexkursionen an. BUND-zertifizierte Pilzsachverständige schauen sich in kostenfreien Sprechstunden die Pilzsammlungen an, wie beispielsweise in Berlin.
Um Pilze bestimmen zu können, braucht es immer mehrere Merkmale! Man muss also für viele Fragen möglichst eine sichere Antwort finden, um die Sicherheit zu erhöhen. Welche Farbe hat der Pilz? Ist der Stiel rau? Hat er eine Knolle? Wie sehen die Sporen aus? Wie riecht der Pilz? usw.
Ein guter Start für Anfänger*innen sind Röhrlinge, denn ihnen gibt es keine tödlich-giftigen Arten in unseren Wäldern und sie sind meist gut erkennbar. Sie haben auf der Unterseite keine Lamellen, sondern Röhren. Zu den Röhrlingen gehören beispielsweise Steinpilze, Maronen oder der Butterpilz.
Mehr Informationen
- Der BUND Niedersachsen bietet die App-Erweiterung „ID-Pilze“ an, die er mit der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und der Leibniz-Universität Hannover entwickelt hat. Anhand von vier bis fünf Fragen auf der Basis von 21 Merkmalen sind unsere 300 häufigsten Pilzarten und -gattungen im Gelände zu bestimmen. Ist die Art erkannt, lässt sich das Wissen mit Steckbriefen, Fotos und Erklärvideos erweitern. Die App ID-Logics kann im Applestore oder im Playstore heruntergeladen werden.
- BUNDmagazin 3/22 Titelthema Pilze